„C the Unseen“
Das Ungesehene wird sichtbar. Das ist das Motto von Chemnitz. Die Stadt zeigt zusammen mit 38 Partnergemeinden der Welt die Kultur, die Traditionen und die Schönheit dieses Teils Deutschlands im Herzen Europas, der wenig bekannt und wenig sichtbar ist. Das ganze Jahr über werden Hunderte von Kulturveranstaltungen verschiedener Art stattfinden: Festivals, Ausstellungen, Theater, Shows, Konzerte, Gastronomie, Workshops und Sportveranstaltungen, bei denen national und international bekannte
Künstler auftreten werden.
Kultur und Demokratie
Europäische Hauptstadt zu sein, ist eine große Chance, nicht nur der Welt die eigenen Schönheiten und Vorzüge zu präsentieren. Es ist auch eine Gelegenheit zu zeigen, dass Chemnitz eine weltoffene Stadt im Herzen Europas ist, tolerant, gegen jegliche Diskriminierung, offen für Diskussionen, für Konfrontation, für Vielfalt; ein anderes Bild als das, das oft und zu Unrecht mit Ostdeutschland assoziiert wird. Für die Organisatoren ist es wichtig, dass die Stadt die Werte Europas vermittelt, nämlich Offenheit, Freiheit und Demokratie.
Ein wenig Geschichte
Die ersten Spuren der Stadt gehen auf das Jahr 1143 zurück. Die demografische Entwicklung begann mit der industriellen Revolution im 18. Jahrhundert. Die Stadt war Teil der DDR und wurde 1953 in Karl Marx-Stadt umbenannt. Obwohl die Stadt unter kommunistischer Diktatur und Zensurlebte, genoss sie aufgrund ihrer industriellen Natur eine ungewöhnliche kulturelle Freiheit. Symbol dieser Ära ist der „Nischel“, das 40 Tonnen schwere Gesicht von Karl Marx. Mit dem Fall der Berliner Mauer im Jahr 1990 erhielt die Stadt ihren ursprünglichen Namen Chemnitz zurück.

INDUSTRIEGESCHICHTE
Chemnitz hat zusammen mit Zwickau und der umliegenden Region zur industriellen Entwicklung Deutschlands beigetragen, insbesondere in den Bereichen Textil, Maschinenbau, Eisenbahn und Automobilindustrie. Wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung war der Bergbau im Erzgebirge und die vielen Handwerker, die noch heute weltweit für ihr Können geschätzt werden. Mit der wirtschaftlichen Entwicklung kam der Wohlstand, der Kunst und Kultur förderte, die sich in Architektur, Museen, Palästen und Kunstsammlungen zeigt.
BERÜHMTE SPORTLER
Der Star aus Chemnitz ist zweifellos Katarina Witt. Sie ist die berühmteste deutsche Eiskunstläuferin und hat viele Trophäen gesammelt: 6-mal Europameisterin, 4-mal Weltmeisterin, 2-mal Olympiasiegerin. Sie ist so gut und ikonisch, dass sie 1999 zur Eiskunstläuferin des 20. Jahrhunderts gewählt wurde. Zwei weitere berühmte Sportler sind der ehemalige Diskuswerfer, Olympiasieger und fünffache Weltmeister Lars Riedel und der Fußballspieler Michael Ballack.
Choco del Sol
Zu den vorzüglichen Produkten, die es zu zeigen und zu kosten gilt, gehören natürlich auch die Schokoladentafeln der Schokoladenfabrik Choco del Sol, die beim kulinarischen Wettbewerb „So schmeckt Kulturregion“ den ersten Platz belegte. Peggy und Patrick Walter haben in ihrer Fabrik in Burgstädt anlässlich der Veranstaltung die Stadtteil-Schokolanden kreiert, Schokoladentafeln
mit verschiedenen Zutaten, die an die Chemnitzer Stadtteile erinnern und deren Merkmale wiedergeben.
Teil der Kultur
Unter den vielen Veranstaltungen stechen die kulinarischen hervor. Einen Besuch wert ist das EuroBean
Chocolate Festival, das vom 1. bis 3. August im Industriemuseum Chemnitz stattfindet und an dem fünfzig Chocolatiers aus Europa und anderen Ländern teilnehmen. Die Schokoladenmeister werden den Besuchern die Kunst der handwerklichen Kakaoverarbeitung zeigen und sie mit der Produktion und Verarbeitung vertraut machen. Ziel ist es, die Öffentlichkeit für den fairen Handel mit Kakao zu sensibilisieren. Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit der Ausstellung „Tales of transformation“ statt, die ebenfalls im Museum zu sehen ist und in der die Umwandlung von Industriestandorten im Laufe der Jahre zu bewundern ist.

ENERGIE-LADUNG
Die Schokoladentafel Bernsdorf, benannt nach dem Viertel, in dem sich die Universität befindet, enthält neben Kakao auch Studentenfutter, um den Studenten Energie zu geben (Studentenfutter: Mischung aus Nüssen, Mandeln und Sultaninen, die zusammen als Studentenfutter bezeichnet wird, weil sie sehr kalorienreich ist). Auch die Verpackung erinnert an den Namen des Stadtteils und ist somit eine ebenso originelle wie schmackhafte Idee.
Ungewöhnliche Orte
Zu den interessantesten und originellsten Kulturprojekten gehört das der #3.000 Garagen. In der DDR trugen Garagen zur Sozialisierung bei und waren ein fester Bestandteil der Stadtlandschaft. Schätzungen zufolge gab es in Chemnitz etwa 30.000 davon. Nebeneinander standen Autos, Motorräder und Familiengegenstände. Die Besitzer nutzten sie als kleine Werkstätten, als Labors, in denen sie manchmal auch verrückte und originelle Projekte und Ideen entwickelten, aber sie waren auch Orte, an denen man musizieren, grillen und Freizeit verbringen konnte.
Ein Schatz wird geöffnet
Die Garagen sind immer noch die Protagonisten einer Reihe von Veranstaltungen. Hier finden Konzerte, Filmabende und Grillfeste statt. Wie in Mini-Museen werden den Besuchern Gegenstände und Möbel aus der Vergangenheit gezeigt, um so den Alltag nachzustellen. Begleitet wird die Route von einer von Maria Sturm kuratierten Fotoausstellung, die 164 in ihren Garagen fotografierte Personen zeigt, und von der Installation „Ersatzteillager“ von Martin Maleschka. Der Architekt, Künstler und Autor sammelte von Garagenbesitzern Gegenstände aller Art, um sie dann im Fahrzeugmuseum auszustellen.































